travers – srevart


kurz zitiert #3
Oktober 25, 2006, 2:04 pm
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Es geht um alles! 500 neue Abos für die Jungle World.



kurz zitiert #2
Oktober 22, 2006, 10:45 am
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Antisemitismus ist im Begriff, wieder zu einer alltäglichen Erscheinung zu werden. In manchen Einheiten der Bundeswehr ist das Wort »Jude« ein gebräuchliches Schimpfwort, genauso wie an bestimmten Schulen oder in Fußballstadien. Sicherlich hat das mit der Brutalisierung der Gesellschaft in Zeiten der sozialen Krise und der verschärften Konkurrenz zu tun. Aber die Umstände erklären noch nicht die Form der Übergriffe. Die Aggression könnte sich auch gegen die Scheiben eines Supermarkts oder eines Arbeitsamts richten. Dass sie Juden, Ausländer und andere Minderheiten trifft, hat mit der spezifischen Verfasstheit dieser Gesellschaft zu tun.

Etwa mit ihrer Neigung, soziale Probleme zu personalisieren. Für die Arbeitslosigkeit werden Ausländer, die den Deutschen angeblich die Arbeitsplätze wegnehmen, verantwortlich gemacht, und für Firmenschließungen angeblich skrupellose Manager aus Übersee, die nur an den Profit dächten. Die Gründe für die Krise dürften die meisten Parteien auch weiterhin nicht im kapitalistischen Wirtschaftssystem, sondern unter den Minderheiten und im Ausland suchen. Wenn die CDU den Wert der ehrlichen, weil »deutschen« Arbeit betont, Sozialdemokraten und Gewerkschafter gegen angelsächsische »Heuschrecken« agitieren, die das Land ausplünderten, und die Linkspartei vor allem Israel zur Bedrohung des Weltfriedens erklärt, dann verstärken sie rassistische und antisemitische Vorurteile in der Bevölkerung, die sie anschließend, wenn die Ressentiments […] offen zutage treten, lauthals kritisieren und verdammen.

Stefan Wirner in der Jungle World Nummer 42 vom 18. Oktober 2006



antideutsch, antideutscher, am antideutschesten!?
Oktober 11, 2006, 1:24 pm
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Zur Zeit scheint sich neben dem – mitlerweile mehr als Langweilige gewordenem – Contest zwischen AntiImps und AntiDs noch ein Contest in der radikalen Linken zu entwickeln: ADSDSAD. Antideutschland sucht den Superantideutschen. Wer ist antideutsch, wer antideutscher und wer am antideutschesten?
Grundlegende Merkmale Antideutscher sind die uneingeschränkte Solidarität mit Israel, die Unterstützung des US-amerikanischen Krieg gegen den Terror und die Kritik des Antisemitismus als radikale Gesellschaftskritik. Alles soweit in Ordnung und unter diesen Gesichtspunkten würde ich mich auch dem antideutschen Lager zugehörig fühlen. Nun ja, aber es gibt halt immer einige die noch einen draufsetzen müssen. Da wird aus Solidarität mit Israel Liebe zu diesem Staat, die Unterstützung des USA wird zu einem kritiklosen anhimmeln und Adorno wird zum Antisemit.

Muss ich als Antideutscher automatisch Fan aller israelischen Sportteams sein und jedem Konzert des israelischen Polizeiorchesters beiwohnen? Nein, ich muss nicht, ich kann die Musik des Polizeiorchesters aber trotzdem gut finden und deshalb dort hingehen. Ich kann auch zu spielen Makkabi Tel Avivs gehen, aber wohl eher aus der Intenttion, das sie guten Sport bieten, anstatt deswegen, weil es ein israelischer Verein ist. Sollte Makkabi überings in der Champions League mal gegen Borussia Dortmund spielen, so Dortmund irgendwann mal wieder diesen Wettbewerb erreicht, bin ich übrigens gegen Makkabi. Ich kann auch das Happoel Tel Aviv Trikot tragen, weil ich es einfach schön finde und auf einer Demo darf ich auch das Trikot der israelischen Nationalmannschaft tragen, um so meine Parteinahme auszudrücken. Ich darf mich auch freuen, wenn sich die israelische Mannschaft für die EM 2008 qualifiziert, einmal weil sie einen wirklich guten Ball spielen und zum anderen, um den anderen Mannschaften zu zeigen, dass sich am Ende doch guter Fußball und nicht die Schikanierung eines Teams durchsetzt. Ich darf auch einen antideutschen Lifestyle leben und eine IDF Jacke und ein Israel Shirt tragen. Aber um Himmels Willen mache ich das nicht nur, weil da irgendwo Israel drauf steht.
Liebesverhältnisse zu einem Staat und radikale linke Politik vertragen sich naturgemäß eher weniger, wenn nun aber ein israelsolidarischer Mensch, zum Judentum konvertiert und nach Israel auswandert, hat das dann noch was mit Solidarität zu tun? Ich persönlich habe kein Liebesverhältnis zu Land und Leuten, auch nicht zu Israel. Keine Frage, es ist schön in Israel, aber ich muss nicht unter allen Umständen dort hin, ich kann auch in Holland Urlaub machen und der Gardasee ist auch schön. Ich liebe Israel nicht, bin aber trotzdem bedingunslos solidarisch. Außdem wage ich zu bezweifeln, ob sich die Israelis so sehr wünschen von einem Mob Antideutscher ständig genervt zu werden!?

Ebenfalls Frage ich mich, ob es noch linke Politik ist, wenn man dafür einen auf den Deckel bekommt, wenn man die USA als kapitalistischen Staat kritisiert? Solange die Welt so eingerichtet bleibt, muss die Existens Israel und seine Souveränität mit allen gebotenen Mitteln verteidigt werden. Zu diesen gebotenen Mittel zählt für mich auch die Existens der USA, als einzig wirklicher Verbündeter Israels. Im Gegensatz zu Israel ist Kritik an den USA als Staat an sich und an seiner Politik – soweit sie nicht Solidarisch mit Israel ist – allerdings legitim.

Ganz groß in Mode ist zur Zeit ja auch keine Greul dabei zu empfinden mit Rassisten wie Güther Beckstein und/oder Deutschland Fahnen zu demonstrieren. Ich fand es vollkommen unverständlich, dass sich die Bahamas mit einer Demo schmückt, auf der Beckstein redet. Die CDU/CSU mag ganz vereinzelt gute Ansaetze vorweisen zu können, aber das kann man bei fast jeder Partei sagen. Unter dem Strich bleiben diese Parteien aber Repräsentanten der deutschen Ideologie und disqualifizieren sich damit schon automatisch für eine Zusammenarbeit.

Wenn der antideutscheste unter den Antideutschen dann nun bald gefunden und nach Israel ausgewandert ist, kann sich die radikale Linke hoffentlich wieder mit Wichtigerem beschäftigen!



Deutschland, ein Sommeralptraum.
Oktober 9, 2006, 1:49 pm
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Auf den Tag genau drei Monate ist das Spektakel Fußball WM heute vorbei. Abgesehen von einigen positiven Sachen, wie schöner Fußball, fliegende Flaschen und ten german bombers, bleibt vor allem der jubelnde deutsche Mob im Gedächtnis. Doch so schnell, wie der neue Hurra-Patriotismus gekommen ist, ist er augenscheinlich auch wieder gegangen. Kaum schoss Allesandro Del Piero das 2:0 für Italien verschwanden plötzlich die ganzen Fahnen von den Autos und den Häusern. Lediglich ganz vereinzelt sieht man jetzt noch ein vergilbtes Fähnchen mehr oder weniger schlaff im Wind hängen. Deutschland hat sich erstaunlich schnell von der WM erholt, alles ist wieder wie vorher. Der erhoffte finanzielle Aufschwung ist ausgeblieben, der Tourismus hat von der WM nicht profitiert und die Läden schließen wieder spätestens um 20Uhr. Nur manch Hartgesottener trägt noch das T-Com Shirt, für das er vor 4 Monaten ordentlich Geld rausgehauen hat. Jürgen Klinsmann ist kein Bundestrainer mehr, jetzt macht Jogi Löw den Job. Verändert hat sich hier also eingentlich auch nichts. Löw war schon zu Klinsmanns Zeit der taktische Kopf im Trainerteam, Klinsmann war der Repräsentant für die Öffentlichkeit, der charismatische Lausbub, der auch in der WM Vorbereitung ein 4:1 gegen Italien positiv verkaufen konnte. Die Nationalelf spielt nach der WM wie vor der WM, nicht schön, aber sie gewinnen. Das einzige was sich eigentlich verändert hat ist, dass eineige neue junge Spieler zum Kader dazugestoßen sind.

Seit Dienstag ist die WM allerdings wieder voll im Gange, denn seit jenem Tag ist Sönke Wortmanns Film „Deutschland, ein Sommermärchen“ in den Kinos und die bundesdeutsche Fußballnation taumelt in die Kinos und verfällt wieder in diese WM Extase. Wortmann hatte die komplette WM lang das deutsche Team mit einer kleinen Kamera begleitet, war bei jedem Spiel mit auf der Bank, hat jedes Training verfolgt, war dabei als Olli Kahn Verdauung hatte und Michael Ballack zärtlich an Lukas Podolskis Ohrläppchen knabberte. Dieses eigentlich sehr interessante Projekt – eine Mannschaft während eines Tuniers zu beobachten und zu begleiten, mit allen Peinlichkeiten und Ausrutschern, allem persönlichen Problem und Zwisten – macht dieser nachträgliche WM Taumel zunichte. Es wird in Erringerungen geschwälgt, darüber gefrotzelt, dass „wir im Film wieder ’nur‘ 3. werden…“ und sich darüber echauffiert, dass Oliver Kahn doch tatsächlich sagt, dass er eigentlich keine Lust mehr hat nach dem Spiel um Platz 3 in Stuttgart extra nochmal nach Berlin zu fliegen, nur um sich einer Million wild gewordener Deppen anbölken zu lassen. Verständlich, wie ich finde.

Es wäre interessant gewesen, das Projekt aus einer völlig neutralen Position zu betrachen, einfach die Situation, dass 23 Spieler plus Trainer plus Betreuer wochenlang aufeinander hocken, sich gegenseitig anzicken, sich zusammen freuen, miteinander Spaß haben und wie sie sich allgemein menschlich untereinander verhalten, aber dies ist ja leider nicht möglich, da man ohne Trikot, Fahne und Schal ohnehin nicht ins Kino kommt um sich den Film anzugucken. Vielleicht bei der nächsten WM…



offener Brief an die Verantwortlichen der Ev. Apostelkirche zu Essen- Frohnhausen
Oktober 9, 2006, 12:26 pm
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Essen, 09.10.2006

Geehrter Herr Sonnenberg, geehrter Herr Keßen,

ich weiß nicht, ob Sie Antisemiten sind und ich will Ihnen diesen Vorwurf nicht machen. Vorwerfen will ich Ihnen, dass Ihre antiisraelische Hetzte, welche Sie seit Wochen betreiben zum Himmel stinkt, sodass Ihr allerwertester Herrgott es mitlerweile riechen müsste. Seit Beginn des israelischen Verteidigungseinsatzes, zur Entwaffnung der Hisbollah und zur Verhinderung des weiteres Beschusses Israels, im Libanon zieren antisemitsche, terrorverharmlosende und volksverhetzende Palakte die Fassade Ihres Hauses. Zuerst hing ein Plakat mit dem unmissverständlichem Slogan: „Kauft keine israelischen Produkte, denn es klebt Blut dran!“. Auf die inhaltliche Nähe zu den nationalsozialistischen „Deutscher, kauf nicht beim Juden“-Plakaten brauche ich wohl nicht weiter einzugehen. Mit Ihrem Aufruf zum Boykott israelischer Produkte betreiben Sie widerwärtigen Antizionismus. Dem „Kauft keine israelischen Produkte“-Plakat folgte ein Plakat mit der Aufschrift „Du sollst nicht töten!“. Das sich dieses Plakat auf den israelischen Militäreinsatz und nicht auf den islamistischen Terror der Hisbollah bezieht ist im Kontext zum ersten Plakat in meinen Augen unmissverständlich. Seit einiger Zeit darf man nun ein Plakat eines ölverschmutzen Strandes an Ihrer Wand bewundern mit der Überschrift „Libanons Strände“. Hiermit kritisieren Sie wieder nur den in Ihren Augen skrupellosen Agressor Israel, der bewusst dafür gesorgt hätte die Strände Libanons mit Öl zu verseuchen.

In Ihren Ansichten haben Sie allerdings einige grundlegende Fehler;

1. Ist Israel weder der Agressor oder der Täter in diesem Konflik, sondern viel mehr das Opfer. Seit seiner Staatsgründung sieht sich Israel dem Vernichtungswahn seiner antisemitischen Feinde ausgesetzt und nur die militäre Überlegenheit und Schlagkraft sichert das Fortbestehen des Zufluchtsortes aller vom Antisemitismus verfolgen Jüdinnen und Juden. Israel steht in einer permanenten Verteidigungssituation. Nur die israelische Waffengewalt sichert das Überleben des jüdischen Staates.

2. Die Hisbollah, welche die Zerstörung Israels und die Vernichtung aller Jüdinnen und Juden zum Ziel hat, wird von Ihnen erst garnicht kontextualisiert. Das die Hisbollah und ihr Terror der Grund für den israelischen Militäreinsatz ist fällt Ihnen anscheinend nicht auf. Anschläge, Morde und Entführungen von Israelis durch die Hisbollah werden im Gegensatz zur israelischen Reaktion auf diese Taten nicht kritisiert. Der deutsche Friedensmob spricht direkt von einer Überreaktion Israels.

3. Alles ist eine Form von Aktion und Reaktion. Auf den elimineratorischen Antisemitismus der Hisbollah, der Hamas, des islamischen Jihad, der Al-Aqsa Brigaden usw. folgt eine Reaktion Israels, welche keineswegs als „überzogen“ dargestellt werden kann! Man muss sich die Bedrohungssituation Israels nur mal vor Augen führen. Fast alle arabischen Staaten treffen sich im Punkt der Freindschaft zu Israel. Die islamistischen Terrororganisationen üben Anschläge gegen Israel und seine Bevölkerung aus, der Iran droht Israel offen mit der Auslöschung, an der antisemitischen Konferenz „The world without zionism“ nahmen über 50 Staats- und Regierungschefs teil.

Ich bitte Sie die Plakatierung Ihrer Kirche nochmal ersthaft zu überdenken, sowie Ihre Haltung zu Israel. Grade jetzt hat Israel die Unterstützung nötiger denn je. Der antisemitschen Internationale muss mit allen Mitteln entgegen getreten werden, um Israel aus seinem Status, als „Jude unter den Staaten“ hinauszuhelfen. Israels Existenzrecht muss unbedingt geschützt werden. Grade die Deutschen, das Land der Täter, sollte aus dem Land der Opfer keine Täter machen, nur um die eigene Schuld auf andere abwälzen zu können, damit das nationale Gewissen wieder rein wird. Dem islamistischen Terror muss ebenfalls entschieden entgegnet werden, notfalls mit Waffengewalt, denn manchmal ist Krieg nötig, um Frieden zu erreichen und das erste Ziel sollte Frieden für Israel heißen. In diesem Sinne: „Kein Friede den Feinden Israels“, zu denen sie sich auch machen, wenn sie Ihre antiisraelische Propagande weiter publizieren.

Mit israelsolidarischen Grüßen, Simon Liebermann



kurz zitiert #1
Oktober 9, 2006, 8:56 am
Filed under: kurz zitiert

»In Zeiten, in denen eine Bewegung, die sich als links bezeichnet, Hand in Hand steht mit christlichen Kerzenhaltern und schwarzbraunen wie grünen und roten Friedensaposteln, die doch nur den amerikanischen Teufel an die Wand malen und denen es nur darum geht, Europa und insbesondere Deutschland zur neuen, angeblich besseren Weltpolizei zu machen, ist die Bezeichnung ›antideutsch‹ vielleicht die einzig erträgliche. Die Friedenshippies in der Popmusik sind ebenso nur mehr die nützlichen Esel vor dem deutschen Karren, von denen mit Sicherheit jeder mit stolz geschwellter Brust das Bundesverdienstkreuz entgegennehmen würde.«

Alfred Bierlek, Das Bierbeben